Elektronische Seefrachtkonnossemente zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks

2019-12-11 11:01
von Julian Neugebauer
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Elektronische Seefrachtkonnossemente zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks

Für meine Bachelorarbeit habe ich die ökologische Auswirkung einer elektronischen Ersetzung von Seefrachtkonnossementen mittels Blockchain analysiert – insbesondere bezogen auf den CO2-Fußabdruck.

Im Rahmen des internationalen Handels muss immer sichergestellt werden, dass der Importeur seine Ware und der Exporteur sein Geld erhält – speziell dann, wenn es kein Vertrauen unter den Vertragsparteien gibt. Vielfach kümmern sich Banken um das Risiko, indem sie die gesamte Abwicklung übernehmen. Es werden Wertpapiere verwendet, deren Besitz auch gleichzeitig das Eigentum an den jeweiligen Waren begründet. Diese Dokumente werden als Konnossement oder auch Bill of Lading bezeichnet.

Pro Seefrachtsendung mit Konnossement haben die Güter einen durchschnittlichen Wert von 1,48 Mio. USD. Um sicherzustellen, dass Ware und Gelder auch pünktlich ankommen, werden die zugehörigen Dokumente, aufgrund des hohen Zeitdrucks, per Kurier zwischen den Unternehmen transportiert.

Dabei entstehende Transaktionskosten sind immens. Sie fallen nicht nur durch die Transportunternehmen, sondern größtenteils durch Banken an. Besonders hoch sind deshalb auch die den Transaktionen zugewiesenen CO2-Emissionen:

Diese Emissionen, die allein beim Transport der Dokumente pro Jahr entstehen, entsprechen in etwa dem CO2-Fußabdruck einer deutschen Kleinstadt im gleichen Zeitraum.

Funktional betrachtet bringt eine elektronische Ersetzung der Seefrachtkonnossemente viele Vorteile. Besonders die blockchainbasierte Umsetzung bietet dabei im Vergleich zu vielen anderen Use Cases einen echten Mehrwehrt. Im Hinblick auf den Wertpapiercharakter der Bill of Lading und die hohen Anforderungen an Fälschungssicherheit und Transparenz des Prozesses sind die Vorteile der Blockchain ebenfalls unverkennbar.

Allerdings muss auch bei der Verwendung der Blockchain darauf geachtet werden, wie ökologisch sinnvoll ihr Einsatz ist und welche Bedingungen erfüllt werden müssen, damit eine nachhaltige elektronische Umsetzung sichergestellt werden kann. Besonders die Berechnungsverfahren, die zur Durchführung von Transaktionen erforderlich sind, benötigen viel Rechenleistung.

Der Untersuchungsfokus ist einmalig, besonders im Hinblick auf die hohen monetären Einsparungen durch eine elektronische Umsetzung, da die wirtschaftlichen Vorteile den wichtigen ökologischen Faktor schnell in den Hintergrund geraten lassen. Daher wurden Berechnungsverfahren für die analogen, aber auch blockchainbasierten CO2-Emissionen erarbeitet, die neben der Einhaltung der DIN EN 16258 insbesondere die Transaktionsdaten von Bitcoin und Ethereum berücksichtigen. Außerdem haben wir Ansätze für die Berechnung von Emissionen, beim generellen Einsatz von Servern und aktuelleren Blockchain-Technologien, wie z.B. Hyperledger betrachtet.

Das Ergebnis ist – neben den Berechnungsverfahren – vor allem eine Handlungsempfehlung zu den verwendeten Netzwerken und den Server-Standorten. Durch den Einsatz der richtigen Technik könnte der CO2-Fußabdruck der elektronischen Umsetzung deutlich kleiner sein, als der einer bisherigen analogen Abwicklung per Kurier. Außerdem lässt sich bereits jetzt abschätzen, dass der weltweite Bedarf für eine schnellere und günstigere Abwicklung sehr hoch ist. Und die prognostizierte Vervierfachung der Seefrachttransporte bis 2050 zeigt dabei zusätzlich, wie wichtig eine gute und CO2-arme Lösung bei den elektronischen Konnossementen zukünftig sein dürfte.

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