Klare Produktionsprozesse und höhere Bestandstransparenz in der Fertigung von Gussprodukten
Ablösung eines Non-SAP-Fertigungssystems als Voraussetzung für die S/4HANA-Transition
Auf einen Blick
Metallindustrie
Hauptsitz Stadtallendorf
3.500 Mitarbeitende
966 Mio. € Umsatz

Das Unternehmen
Die Fritz Winter Eisengießerei GmbH & Co. KG ist ein führender Automobilzulieferer im Bereich Eisenguss. Gegründet im Jahr 1951, liefert Fritz Winter Gussprodukte für Antriebs- und Fahrwerkstechnologien in den Branchen Automobil, Nutzfahrzeuge, Schifffahrt und Hydraulik. Die Hauptprodukte umfassen Zylinderblöcke, Motorblöcke, Schwungräder und Bremsscheiben, die durch hoch spezialisierte Gießereiprozesse gefertigt werden. Die Fertigung erfolgt mit modernsten Anlagen und Technologien, die höchsten Qualitätsanforderungen entsprechen.
Neben vier Standorten in Deutschland verfügt Fritz Winter über zwei weitere Gesellschaften in den USA und China, die eine internationale Ausrichtung und Wettbewerbsfähigkeit unterstreichen. Mit jahrzehntelanger Erfahrung, kontinuierlicher Innovationskraft und einer klaren Kundenorientierung zählt Fritz Winter heute zu den führenden Anbietern von Eisengussprodukten weltweit.
Dank der neuen Materialebenen und optimierten Lagerstrukturen verfügen wir jetzt über eine klare Bestandstransparenz. Das ist der Grundstein für zukünftig vereinfachte und effizientere Prozesse.
Torsten Hinkelmann,
Leiter Logistik bei Fritz Winter
Die Herausforderung
Wie viele Unternehmen stand auch Fritz Winter vor der Herausforderung, die bestehende SAP R/3-Umgebung auf S/4HANA umzustellen. Dabei stellte sich die Frage, ob die Integration der Produktionsprozesse parallel zur S/4HANA-Umstellung erfolgen sollte. Nach einer Vorstudie wurde gemeinsam entschieden, zunächst die Produktions- und Fertigungssteuerung aus dem aktuellen Non-SAP-System ins SAP ERP zu übertragen. Die komplexen Gießereiprozesse mit ihren speziellen Anforderungen an Gießvorschriften und die historisch gewachsenen Strukturen machten diesen Schritt besonders anspruchsvoll. Eine erhöhte Intransparenz in den Beständen sowie komplizierte Buchungsprozesse erschwerten die Produktionssteuerung zusätzlich.
Ziel war es, die Fertigungsprozesse zu vereinfachen, die Datenqualität zu verbessern und die Grundlage für die anstehende S/4HANA-Migration zu schaffen. Zudem sollten neue Materialebenen eingeführt und organisatorische Strukturen angepasst werden, um die Produktion effizienter zu gestalten. Die zuvor genutzten Sammellagerorte ohne systemische Werkstrennung behinderten die Nachverfolgbarkeit von Beständen und führten zu Ineffizienzen in der Produktionssteuerung.
Die besonderen Anforderungen der Proben- und Prototypenfertigung erforderten darüber hinaus eine gründliche Anpassung und Überarbeitung der Fertigungsprozesse, um den komplexen Anforderungen gerecht zu werden. Insgesamt stand das Unternehmen also vor einer vielschichtigen Herausforderung, die sowohl technologische als auch prozessuale Veränderungen nach sich zog und ohne eine umfassende Unterstützung nicht zu bewältigen war.
Die Lösung
abat stellte zusätzlich zur Fritz Winter internen eine externe Projektleitung. Neben Beratungen zu den SAP-Modulen MM, SD, QM, PP, PLM und PM wurden maßgeschneiderte Lösungen für die gießereispezifischen Prozesse entwickelt. Besonders hervorzuheben ist die Konzeptionierung des Einsatzes der SAP LMPC Heijunka Plantafel, die eine digitale Produktionsplanung ohne die bislang verwendeten Excel-Listen ermöglicht. Dabei wurden individuelle Anpassungen für die komplexen Anforderungen der Gießerei entwickelt, um die Produktionsplanung effizienter und transparenter zu gestalten. Ebenso wurde ein Prototypen- und Probenprozess zur transparenten Nachverfolgung über alle Produktebenen hinweg erarbeitet und wird nachgelagert, zum eigentlichen Go-live in Betrieb genommen. Zusätzlich unterstützte abat bei der Migration von Stammdaten und stellte ein erprobtes Anlaufkonzept vor, welches Fritz Winter zur Absicherung der
Inbetriebnahme-Phase adaptierte. Für die operativen Buchungen auf dem Shopfloor wurde das SAP MII eingesetzt. An dieser Stelle war die Integration der Fertigungsrückmeldungen zwischen SAP ERP und SAP MII eine weitere zu bewältigende Aufgabe im Projekt. Gleichzeitig wurde die Zeichnungsverwaltung in SAP DMS integriert und dadurch die Entwicklungs- und Produktionsprozesse unterstützt.

Das Projekt
Das Projekt begann mit einer Vorstudie und einer Machbarkeitsanalyse, um die Abbildbarkeit der Produktionsprozesse im SAP zu überprüfen. Die positiven Ergebnisse führten zum Projektstart mit einem gemeinsamen Kick-off von 16 Teilprojekten. Anfangs wurde ein geringer Aufwand für die Datenmigration angenommen, was sich jedoch als Fehleinschätzung erwies. Im weiteren Verlauf wurden neue SAP-Werke angelegt, zusätzliche Materialebenen eingeführt und Prozesse wie die Fertigungsrückmeldungen optimiert.
Durch weitere, in der Konzeptphase identifizierte Themenfelder, die einer Prozessoptimierung unterzogen werden mussten, verschob sich der ursprünglich geplante Go-live-Termin um ein Jahr. Der endgültige Go-live erfolgte innerhalb eines intensiven Cutover an einem verlängerten Wochenende. Während der folgenden zweiwöchigen Hypercare-Phase wurden auftretende Probleme in Schichtarbeit bearbeitet, sofort behoben und die Mitarbeitenden in den neuen Prozessen geschult. Der Projektverlauf war von einer engen Zusammenarbeit zwischen abat und Fritz Winter geprägt, wobei kontinuierlich Optimierungspotenziale aufgedeckt und umgesetzt wurden. Die Implementierung der SAP LMPC Heijunka Plantafel und ihre sukzessive Einführung in den verschiedenen Produktionsstufen ermöglichte eine flexible und bedarfsgerechte Fertigungsplanung.
Die Migration der Stammdaten und die Integration der Dokumentenverwaltung stellten sich als umfangreich heraus, da neben der reinen Datenübertragung auch eine Anpassung der bestehenden Datenmodelle erforderlich war.
Daneben führte die Neuorganisation der Lagerstrukturen zu einer besseren Übersicht und einer effizienteren Steuerung der Produktionsabläufe. Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Fachbereichen, regelmäßige Workshops und die flexible Reaktion auf unvorhergesehene Herausforderungen trugen ebenso wesentlich zum Erfolg bei.
Die abschließende Stabilisierung wurde durch eine umfassende Betreuung der Anwender sowie den schrittweisen Ausbau der neuen Funktionen unterstützt. Der gesamte Roll-out wurde in enger Abstimmung mit den Mitarbeitenden durchgeführt, um eine hohe Akzeptanz und eine nachhaltige Nutzung im Produktionsalltag zu gewährleisten. Das Projekt hat nicht nur Fertigungsprozesse und Produktionsplanung optimiert, sondern auch die Grundlage für die anstehende S/4HANA-Umstellung geschaffen.
Die Zusammenarbeit mit abat war von Vertrauen und Expertise geprägt. Gemeinsam haben wir die Grundlage für unsere S/4HANA-Migration geschaffen und unsere Produktionsabläufe nachhaltig optimiert.
Alexander Schwab,
Leiter IT & Digitalisierung bei Fritz Winter
Ergebnisse
Schaffung erhöhter Bestandstransparenz
Steigerung von Prozessqualität und -stabilität
Verschlankung einzelner Stammdatenobjekte im Bereich der Produktion
Startschuss für eine systemgestützte Produktionsplanung
Einführung eines durchgängigen, werksübergreifenden Probenprozesses im SAP-Standard
Die Resultate
Die Zusammenarbeit zwischen Fritz Winter und abat war von gegenseitigem Vertrauen und einer lösungsorientierten Herangehensweise geprägt. Die Integration der Produktionsprozesse in das SAP ERP brachte spürbare Vorteile: Die Komplexität einzelner Stammdatenobjekte wurde reduziert und, durch die Objektverknüpfung zu den Dokumenten, auch der Informationsgehalt erhöht, die Bestandstransparenz durch neue Materialebenen erheblich verbessert und die Buchungsprozesse vereinfacht. Gemeinsam werden weiterhin letzte Optimierungen zur vollumfänglichen Erreichung der Vorteile umgesetzt. Die sukzessive Einführung der SAP LMPC Heijunka Plantafel ersetzte punktuell die manuelle Planung und erhöhte die Effizienz in der Fertigungssteuerung.
Die geschaffene Grundlage ermöglicht nun eine reibungslose Umstellung auf SAP S/4HANA und trägt zur nachhaltigen Optimierung der Produktionsprozesse bei. Die neuen, standardisierten Prozesse sorgen für eine bessere Nachvollziehbarkeit der Produktionsschritte und erleichtern das Bestandsmanagement erheblich. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Projektpartnern führte zudem zu einer nachhaltig verbesserten internen Kommunikation und einer stärkeren Akzeptanz digitaler Werkzeuge bei den Mitarbeitenden.

Unser innovatives, sachlich arbeitendes und zielorientiertes Team hat Maßstäbe gesetzt. Wir danken jedem Einzelnen für den großartigen Einsatz und das gemeinsame Vorantreiben dieses Erfolgs.
Torsten Hinkelmann und Alexander Schwab, Fritz Winter
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