Nach der Abkündigung von SAP BW: Datenstrategien für die Zukunft

Die Zeit läuft ab für SAP BW 7.5. Mit dem Ende der Mainstream-Wartung 2027 und der erweiterten Wartung 2030 steht eine der wichtigsten Datenplattformen im SAP-Ökosystem vor dem Aus. Für viele Unternehmen bedeutet das mehr als nur einen Technologiewechsel. Es ist der Startschuss für eine grundlegende Neuausrichtung ihrer Datenstrategie.

Während SAP BW/4HANA noch bis mindestens 2040 gewartet wird, sollten auch diese Nutzer*innen nicht in Passivität verfallen. Die Zukunft gehört cloudbasierten, KI-fähigen Datenplattformen, die weit über die Möglichkeiten traditioneller Data Warehouse-Systemen hinausgehen. Die SAP Business Data Cloud bietet hier einen strategischen Ausweg, ohne das vertraute SAP-Ökosystem verlassen zu müssen. 

Warum die Migration mehr ist als ein Plattformwechsel

Die Herausforderung liegt nicht nur in den auslaufenden Wartungsverträgen. Viele Unternehmen haben über Jahre hinweg komplexe, monolithische BW-Strukturen aufgebaut: ABAP-basierte Datenflüsse, spezifische Objekttypen wie InfoCubes und CompositeProvider, eng gekoppelte BEx-Tools. Diese gewachsenen Strukturen lassen sich nicht einfach per Knopfdruck in die Cloud übertragen. 

Die Migration von SAP BW bedeutet daher einen strategischen Umbau der gesamten Datenarchitektur. Unternehmen stehen vor der Entscheidung: Sollen sie ihre bestehenden Modelle möglichst unverändert übernehmen oder die Chance nutzen, ihre Datenlandschaft grundlegend zu modernisieren? 

Die gute Nachricht:
SAP bietet mit der Business Data Cloud einen durchdachten Migrationspfad, der beide Ansätze ermöglicht. Über die „BW Bridge“ können bestehende Modelle zur SAP Datasphere überführt werden, während gleichzeitig der Aufbau einer modernen, semantischen Datenarchitektur möglich wird. 

SAP Business Data Cloud: Mehr als nur ein BW-Ersatz

Die SAP Business Data Cloud ist kein einzelnes Produkt, sondern ein strategischer Verbund aufeinander abgestimmter Services. Sie vereint Datenintegration, Governance, Analyse und Künstliche Intelligenz unter einem konsistenten Architekturkonzept – vollständig cloudbasiert und skalierbar.

Datenarchitektur mit SAP BW 7.5 und Anbindung an SAP Business Data Cloud und Databricks

Die zentralen Komponenten im Überblick:

Die SAP Datasphere (DSP) bildet das Herzstück für Datenmanagement, semantische Modellierung und Datenvirtualisierung. Hier laufen die Fäden zusammen: von der Replikation operativer Daten bis zur Definition wiederverwendbarer Business-Objekte.

Die SAP Analytics Cloud (SAC) ermöglicht Self-Service Reporting, integrierte Planung und KI-gestützte Analysen. Die Plattform bringt Fachbereiche und IT-Abteilungen zusammen, indem sie sowohl vorgefertigte Dashboards als auch flexible Analysemöglichkeiten bietet. 

SAP Databricks erweitert die Plattform um eine vollwertige Lakehouse- und ML-Engine. Die OEM-lizenzierte Lösung ist nahtlos in die Business Data Cloud integriert und ermöglicht Advanced Analytics ohne Medienbrüche. 

Die SAP Data Intelligence Cloud orchestriert komplexe Datenintegrationsprozesse und verbindet verschiedene Datenquellen – von SAP-Systemen bis hin zu externen APIs und Dateiformaten.

SAP Joule und SAP Insight Apps bringen generative KI direkt in die Analyseprozesse. Natürlichsprachliche Fragen werden zu aussagekräftigen Visualisierungen, proaktive Insights unterstützen die Entscheidungsfindung.

Business Data Fabric: Der konzeptionelle Rahmen

Die SAP Business Data Fabric ist mehr als nur ein Buzzword – sie ist der konzeptionelle Rahmen, der alle Komponenten der Business Data Cloud zusammenführt. Das Ziel: unternehmensweiter Zugriff auf verteilte Datenquellen, ohne dass diese physisch repliziert werden müssen. 

Die Fabric integriert Datenvirtualisierung, semantische Harmonisierung und Echtzeitanalyse in einem gemeinsamen Modell. KPIs, Berechtigungskonzepte und Datenqualitätsstandards werden einmal definiert und systemübergreifend wiederverwendet.

Das Ergebnis: konsistente Datenmodelle, die sich flexibel an veränderte Geschäftsanforderungen anpassen lassen. 

Für Unternehmen bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Statt Daten in zentralen Warehouses zu sammeln, werden sie dort belassen, wo sie entstehen, und über semantische Schichten zugänglich gemacht. Das reduziert Latenzzeiten, vereinfacht die Governance und ermöglicht echte Echtzeit-Analysen. 

KI-Power durch SAP Databricks

SAP Databricks bringt die Kraft moderner Data Science direkt ins SAP-Ökosystem. Die integrierte Plattform bietet skalierbare Engines für Data Lakes, Streaming Analytics und die Entwicklung von KI-/ML-Modellen. Im Gegensatz zu extern betriebenen Databricks-Instanzen erfolgt der Zugriff auf SAP-Daten ohne komplexe Schnittstellen oder Medienbrüche. 

Die Kombination mit der SAP Analytics Cloud eröffnet völlig neue Anwendungsfälle: Predictive Maintenance basierend auf IoT-Daten aus SAP-Systemen, intelligente Demand Forecasts durch die Verknüpfung von Verkaufsdaten mit externen Marktinformationen, oder automatisierte Anomalieerkennung in Finanzprozessen. 

Joule, der generative KI-Assistent von SAP, macht diese fortschrittlichen Analysen auch für Fachbereiche zugänglich. Natürlichsprachliche Fragen wie „Zeige mir die Umsatzentwicklung der letzten drei Quartale und prognostiziere das nächste“ werden automatisch in aussagekräftige Visualisierungen und Handlungsempfehlungen umgewandelt. 

Vier Szenarien für Ihre Migrationsstrategie

Je nach Ausgangslage und strategischen Zielen ergeben sich unterschiedliche Migrationspfade: 

Szenario A: Klassische BW-Ablösung
Für Unternehmen mit SAP BW 7.5 steht die Zeit still. Die BW Bridge ermöglicht eine schrittweise Übernahme bestehender Modelle in die SAP Datasphere. Parallel können neue Use Cases direkt in der modernen Architektur umgesetzt werden. Entscheidend ist die frühzeitige Schulung der Fachbereiche in der SAC, um Self-Service-Fähigkeiten aufzubauen. 

Szenario B: Sanfte Modernisierung bis 2040
BW/4HANA-Nutzer*innen haben mehr Zeit, sollten sie aber klug nutzen. Der parallele Aufbau einer Business Data Fabric neben der bestehenden Architektur ermöglicht eine schrittweise Modernisierung. KI- und Advanced Analytics-Szenarien können bereits heute mit Databricks und der SAC pilotiert werden. 

Szenario C: Self-Service im Fokus
Unternehmen, die ihre Fachbereiche stärken wollen, setzen auf die SAC als zentrale Plattform für Reporting und Planung. Die direkte Modellierung in der SAP Datasphere mit Fokus auf Business Layer ermöglicht agile Datenbereitstellung. Dezentrale Datenkompetenz wird zum Wettbewerbsvorteil. 

Szenario D: KI-getriebene Transformation
Vorreiter nutzen die Migration als Chance für eine KI-getriebene Datenarchitektur. SAP Databricks wird zur Entwicklungsplattform für ML-Modelle, Joule und die SAC ermöglichen prädiktive Szenarien. Die Verbindung operativer SAP-Daten mit unstrukturierten Daten im Data Lake eröffnet völlig neue Erkenntnisse. 

Fazit: Chance statt Krise

Die Abkündigung von SAP BW 7.5 ist weniger ein technologisches Problem als eine strategische Chance. Unternehmen können mit der SAP Business Data Cloud eine zukunftssichere, skalierbare und KI-fähige Datenplattform aufbauen, ohne das vertraute SAP-Ökosystem verlassen zu müssen. 

Die klare Trennung und gleichzeitige Integration von Datenmanagement, Analyse und KI-Funktionalität stellt einen entscheidenden Vorteil dar. Statt isolierter Insellösungen entsteht eine harmonisierte Datenlandschaft, die sich flexibel an veränderte Geschäftsanforderungen anpassen lässt. 

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der strategischen Planung: Welche Daten sind geschäftskritisch? Welche Analyseszenarien sollen zukünftig möglich sein? Wie können Fachbereiche befähigt werden, selbstständig mit Daten zu arbeiten? Diese Fragen sollten vor der technischen Umsetzung beantwortet werden. 

Als abat unterstützen wir Sie gerne bei der Analyse, Planung und Umsetzung Ihrer Datenstrategie. Mit unserer langjährigen SAP-Expertise begleiten wir Sie in allen Phasen Ihres Transformationsvorhabens von der strategischen Roadmap bis zur technischen Implementierung. 

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FAQs

Die Mainstream-Wartung endet Ende 2027, die erweiterte Wartung Ende 2030. Unternehmen sollten ihre Migrationsstrategie spätestens 2025 definieren. 

Ja, über die BW Bridge können bestehende Modelle zur SAP Datasphere migriert werden. SAP empfiehlt jedoch mittelfristig eine native Neumodellierung. 

Die Datasphere ist cloudnativ, unterstützt Datenvirtualisierung und semantische Modellierung. Die Architektur ist modularer und ermöglicht Self-Service-Analysen. 

KI ist integraler Bestandteil: von automatisierten Datenqualitätsprüfungen über prädiktive Analysen bis hin zu natürlichsprachlichen Abfragen mit SAP Joule.

Nein, die Business Data Cloud integriert sich in bestehende SAP-Landschaften. Operative Systeme können unverändert bleiben, während die Analyseebene modernisiert wird. 

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